Fünf Schlangenarten leben heute auf Mallorca. Zwei gelten als heimisch, drei wurden eingeschleppt und gelten als invasiv. Gefährlich für Menschen ist keine. Für die Tierwelt der Balearen sieht die Lage anders aus: Die zugewanderten Nattern jagen Eidechsen und Kleinsäuger, und die Behörden versuchen seit Jahren, ihre Ausbreitung zu bremsen.
Das Wichtigste kurz zusammengefasst:
- Artenzahl: Fünf Arten, davon zwei heimisch (Zwergnatter, Wassernatter) und drei invasiv (Hufeisennatter, Treppennatter, Montpellier-Schlange).
- Gefahr: Keine Art gilt als ernsthaft gefährlich für Menschen. Abwehrverhalten zeigen die Tiere nur bei Bedrohung.
- Schutzstatus: Die Mallorquinische Zwergnatter ist geschützt und muss sofort freigelassen werden. Fang oder Tötung kann ein Bußgeld nach sich ziehen.
- Ansprechpartner: COFIB, Telefon 653 57 41 45, E-Mail ofidiscofib@gmail.com.
Welche Schlangen kommen heute tatsächlich auf der Insel Mallorca vor?
Das balearische Umweltministerium unterscheidet fünf Arten. Als heimisch gelten die Mallorquinische Zwergnatter und die Wassernatter. Genau genommen sind auch sie Zuwanderer, denn ursprünglich gab es auf den Balearen keine Schlangen. Beide wurden vor sehr langer Zeit eingeführt und gehören seit Jahrhunderten zum Ökosystem. Hufeisennatter, Treppennatter und Westliche Montpellier-Schlange kamen dagegen erst später.
Bei der Bestimmung helfen Pupillenform und Zeichnung mehr als die Farbe, denn die variiert bei mehreren Arten stark.
| Art | Status | Maximale Länge | Erkennungsmerkmal | Empfohlener Umgang |
|---|---|---|---|---|
| Mallorquinische Zwergnatter | heimisch, gesetzlich geschützt | 65 cm | senkrecht-ovale Pupillen, dunkler Nackenfleck | sofort unverletzt freilassen |
| Wassernatter | heimisch, kein besonderer Schutz | 95 cm | runde Pupillen, Zickzackmuster, meist am Wasser | als Teil des Ökosystems belassen |
| Treppennatter | invasiv | 1,70 m | zwei dunkle Längsstreifen, Streifen bis zum Mundwinkel | Entnahme empfohlen |
| Hufeisennatter | invasiv | 1,85 m | schwarz umrandete Sechseckflecken, Hufeisenzeichnung hinter dem Kopf | einfangen, melden |
| Westliche Montpellier-Schlange | invasiv | 2 m | grünlich-graue Oberseite, auffällige Schuppe über dem Auge | einfangen, melden |
Wie die Schlangen auf die Balearen-Insel gelangten
Die Spur führt zu Olivenbäumen. Als Gärten und Hotelanlagen ausgewachsene Zieroliven nachfragten, kamen diese vom Festland, und in Wurzelballen und Hohlräumen reisten Nattern unbemerkt mit. Den ersten Nachweis 2003 meldete Ibiza, es war eine Hufeisennatter. Inzwischen ist die Art auch auf Mallorca bestätigt.
Natürliche Feinde fehlen. Zudem treffen Räuber auf Inseln auf Beutetiere, die keine Abwehr kennen. Die Hufeisennatter frisst Kleinsäuger, Reptilien und vor allem Eidechsen; auf mehreren kleinen Inseln ist die Pityusen-Eidechse bereits lokal verschwunden. Sogar schwimmende Nattern wurden beobachtet, und bis auf die Malgrats-Inseln vor Santa Ponça haben es die Tiere ebenfalls geschafft.
Wie gefährlich sind die Nattern wirklich?

Ulf Rugumayo Amundsen/shutterstock.com
Für Menschen besteht keine ernsthafte Gefahr. Die Tiere fliehen, verteidigen sich aber, sobald sie in die Enge geraten. Aktiv sind sie von März bis Mitte November, an sonnigen Wintertagen gelegentlich darüber hinaus. Als Kulturfolger tauchen sie in Gärten, unter Terrassen, in Holzstapeln sowie in Oliven- und Mandelhainen auf.
Der eigentliche Schaden trifft die Natur. Die Regionalregierung stufte Pityusen-Eidechse und Balearen-Eidechse als gefährdet ein. Seit 2016 wurden nach offiziellen Angaben rund 12.000 Tiere eingefangen, gestoppt hat das die Ausbreitung kaum. Allein 2025 gingen auf Ibiza und Formentera mehr als 4.400 Tiere in die Fallen.
Rechtlich bleibt eine Lücke. Auf den Pityusen und den unbewohnten Küsteninseln gelten die eingeführten Arten als invasiv, auf Mallorca und Menorca bislang nicht. Die Regierung beantragte im Oktober 2025 eine Erweiterung des Katalogs invasiver Arten auf den gesamten Archipel.
Was gilt bei einer Begegnung?
Entscheidend ist die Reihenfolge: erst bestimmen, dann handeln. Ein falscher Eingriff kann eine geschützte Art treffen oder eine invasive weiter verbreiten.
- Abstand halten. Solange die Art unklar ist, raten die Behörden davon ab, das Tier anzufassen oder einzufangen.
- Foto aus sicherer Entfernung machen. Kopf, Zeichnung und Körperform müssen erkennbar sein, denn nur damit lässt sich die Art zuverlässig zuordnen.
- Pupillen und Muster prüfen. Senkrecht-ovale Pupillen mit Nackenfleck sprechen für die geschützte Zwergnatter, runde Pupillen mit Zickzackband für die Wassernatter, zwei dunkle Längsstreifen für die Treppennatter.
- Das COFIB kontaktieren. Das Konsortium zur Rettung der Wildtiere der Balearen bestimmt Arten und gibt Anweisungen (Telefon 653 57 41 45, ofidiscofib@gmail.com); die App Línea Verde COFIB nimmt Meldungen samt Foto entgegen.
- Die Zwergnatter freilassen. Das Tier wird unverletzt an derselben Stelle oder in ähnlichem Lebensraum ausgesetzt, weil Fang oder Tötung mit Bußgeld geahndet werden kann.
- Invasive Arten nie freilassen. Das fördert die Ausbreitung. Gefangen wird nur, wenn es gefahrlos geht; die tierschutzgerechte Tötung bleibt laut offiziellen Vorgaben die Ausnahme.
- Handhabung nur mit Schutz. Das behördliche Merkblatt nennt dünne Lederhandschuhe und den Griff hinter dem Kopf; Käfige mit gefangenen Tieren dürfen nicht transportiert werden.
- Tiere im Haus melden. Sitzt die Natter im Gebäude oder an einem gefährlichen Ort, übernimmt das COFIB die Umsiedlung.
Wie lässt sich ein Grundstück unattraktiv machen?
Vorbeugung setzt bei Versteck und Nahrung an. Je weniger Rückzugsorte und Beutetiere ein Grundstück bietet, desto seltener bleibt dort eine Natter.
- Holzstapel auflösen oder von Gebäuden fernhalten. Sie gehören zu den typischen Fundorten, weil sie Schutz und Wärme bieten.
- Geröll- und Steinhaufen räumen. Hohlräume dienen als Tagesversteck und lassen sich kaum kontrollieren.
- Essensreste nicht liegen lassen. Sie locken Nager an, und diese zählen zur Beute der Nattern.
- Terrassen und Mauerfugen kontrollieren. Unter Terrassen werden die Tiere regelmäßig entdeckt.
- Gelieferte Olivenbäume prüfen. Wurzelballen und Stammhöhlen sollten vor dem Einpflanzen abgesucht werden, denn genau dieser Weg löste die Einschleppung aus.
- Sichtungen sofort melden. Eine frühe Meldung kann verhindern, dass neue Gebiete besiedelt werden.
Häufige Fragen zum Thema (FAQ)
Sind die Nattern auf der Insel giftig?
Offizielle Stellen stufen keine der Arten als gefährlich für Menschen ein. Ein Biss bleibt dennoch möglich, wenn ein Tier angefasst oder bedrängt wird. Ruhe und Abstand vermeiden fast alle Zwischenfälle.
Wann sind die Reptilien am aktivsten?
Die Saison reicht von März bis November. In den Sommermonaten gelangen die Tiere häufiger in Gärten und Häuser, weil sie dann besonders aktiv sind.
Darf man eine gefundene Natter einfangen oder töten?
Bei der geschützten Zwergnatter drohen Bußgelder bei Fang, sie muss freigelassen werden. Invasive Arten sollen eingefangen werden, sofern das gefahrlos möglich ist. Vorab klärt das COFIB die Art.
Wohin wendet man sich bei einer Sichtung?
Zuständig ist das Konsortium COFIB. Es erreicht sich unter 653 57 41 45 oder per E-Mail an ofidiscofib@gmail.com. Zusätzlich nimmt die App Línea Verde COFIB Meldungen mit Fotos auf.
Fazit
Auf der Insel leben fünf Arten, doch nur drei belasten das Ökosystem. Für Menschen bleibt das Risiko gering, für Eidechsen und Kleinsäuger dagegen nicht. Eine korrekte Artbestimmung entscheidet über Freilassen oder Fangen. Im Zweifel genügt ein Foto an das COFIB, und weniger Verstecke senken die Ansiedlung spürbar.
Quellen und offizielle Nachweise
- Govern de les Illes Balears: Katalogisierung invasiver Schlangen: Die Regierung beantragt, alle eingeführten Nattern archipelweit als invasiv einzustufen.
- Govern de les Illes Balears: Kampagne 2023 zur Kontrolle von Schlangen: Die Behörde erläutert die Einschleppung über Zieroliven und die Begleitstudien der Universität der Balearen.
- Govern de les Illes Balears: Aufklärung zu invasiven Schlangen und COFIB: Die Behörde ruft zu Meldungen über die Línea Verde COFIB auf.
