Wer sich für mehrtägige Touren in die Wildnis weitab von Wasserhähnen, Supermärkten und Hütten begibt, steht bald vor der Frage: woher das Trinkwasser nehmen? Laut Weltgesundheitsorganisation leben weltweit etwa zwei Milliarden Menschen ohne gesicherten Zugang zu sicherem Trinkwasser. Ob beim Trekking in den Anden, auf dem Kungsleden in Lappland oder beim Backpacking durch Südostasien – die Qualität von Oberflächenwasser schwankt. Wer sich hier vorbereitet, mindert die Gefahr, sich eine der statistisch häufigsten Erkrankungen bei Fernreisen, die Magen-Darm-Erkrankung, zuzuziehen.
Welche Keime kommen im Wasser wirklich vor?
Oberflächenwasser aus Bächen, Seen und Regentonnen kann mit Bakterien wie E. coli, Salmonellen, Campylobakterien verseucht sein. Es können ebenso Viren vorkommen, etwa Noro- und Hepatitis-A-Viren, und Protozoen wie Giardia lamblia und Cryptosporidium. Besonders gegen chemische Desinfektion sind die Protozoen widerstandsfähig. Die Erreger unterscheiden sich sehr in ihrer Größe. Bakterien messen 0,2 bis 5 Mikrometer, Protozoen 4 bis 15 Mikrometer und Viren 0,02 bis 0,3 Mikrometer. Gerade diese Größenordnung ist wichtig, da sie bestimmt, was mit welcher Methode überhaupt funktioniert. In den gemäßigten Klimaten sind es hauptsächlich Bakterien und Protozoen, in tropischen und subtropischen Gebieten steigt die Virenlast.
Vergleich von Methoden der Wasseraufbereitung
Für die mobile Aufbereitung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die sich in Wirkungsspektrum, Gewicht und Handhabung unterscheiden. Ein mechanischer Wasserfilter für Outdoor mit einer Porengröße von 0,1 bis 0,2 Mikrometern entfernt Bakterien und Protozoen zuverlässig, jedoch keine Viren. Kombinationsfilter mit zusätzlich eingebauter Aktivkohlestufe binden auch Schwermetalle, Chlor und bestimmte organische Verbindungen.
Chemische Aufbereitung mit Chlordioxid oder Silberionen wirkt auch gegen Viren, braucht aber Einwirkzeiten von 15 Minuten bis mehrere Stunden und verändert den Geschmack. Die UV-Entkeimung tötet alle unschädlichen Mikroben sehr rasch (60–90 Sekunden), funktioniert jedoch nur in klarem Wasser und benötigt Batterien. Die sicherste Aufbereitung ist und bleibt das Abkochen, das aber Brennstoff und Zeit kostet. Die WHO empfiehlt mindestens einminütiges sprudelndes Kochen, in Höhenlagen über 2000m drei Minuten. Für längere Touren hat sich die Kombination aus Filter und Reserve an Aufbereitungstabletten bewährt. Mit diesem Mix werden verschiedene Erregergruppen abgedeckt.
Regionale Unterschiede der Wasserqualität
Die Wasserbeschaffenheit variiert bekanntlich sehr stark nach Region. In den skandinavischen Fjells galt Wasser aus Gebirgsbächen, die abseits von Rentierweiden führen, stets als trinkbar, heute raten die schwedischen Behörden doch zur Aufbereitung, da vereinzelt Campylobacter nachgewiesen wurde. In den Alpen erhöht die Almwirtschaft das Risiko durch Fäkalienbelastung. Südostasien und Regionen in Südamerika haben im Quellwasser eine erhöhte Virenlast, sodass hier chemische Aufbereitung oder ein Hohlfasermembranfilter mit zusätzlicher Virusstufe sinnvoll ist.
In Wüstenregionen wie dem australischen Outback oder teilweise auch in Namibia wirken Salzgehalt und Mineralkonzentration ein, klassische Filter tun sich hier schwer. Wer in die Ferne reist, sollte sich vor Antritt der Reise darüber informieren, ob im Reiseland mit landwirtschaftlichen Rückständen, Bergbauabwässern oder etwa mit Cyanobakterien in langsam fließenden Gewässern zu rechnen ist.
Ausrüstung, Gewicht und praktische Planung
Das Verhältnis von Durchflussrate, Filterkapazität und Gewicht spielt bei der Auswahl der Ausrüstung die Hauptrolle. Übliche Hohlfasermembranfilter für den individuellen Gebrauch wiegen zwischen 60 und 200 Gramm und schaffen Kapazitäten von 1.000 bis über 100.000 Liter, je nach Modell und Wasserqualität. Für Gruppen ab mindestens drei Personen empfehlen sich Gravitationssysteme, die pro Stunde bis zu zwölf Liter aufbereiten.
Zertifizierungen oder EPA-Standard geben Hinweise auf die tatsächliche Filterleistung. Vor jeder Tour sollte ein Funktionstest zu Hause durchgeführt werden. Filter sind nach der Reise gründlich zu spülen und zu desinfizieren und frostfrei zu lagern, denn gefrorene Membranen reißen unbemerkt. Wer sich schon früh mit den Gegebenheiten im Zielgebiet, den dort passenden Methoden und dem eigenen Wasserbedarf pro Tag befasst, plant für Trekkingtouren realistisch mit drei bis fünf Litern pro Person und Tag, in heißen Klimazonen entsprechend mehr. Damit ist der Wasserbedarf verlässlich gedeckt, ohne dass man auf zweifelhaftes Wasser angewiesen ist.
